Beiträge von Mitgliedern

Rede von Jörg Simmat aus Plauen auf der Kundgebung am 29. Oktober 2018 in Plauen

Liebe Freunde,
gestern habe ich im Gottesdienst der Luthergemeinde im Rahmen der Mitteilungen, die an die Gemeinde zu verlesen sind, auf diese heutige Demonstration hingewiesen und für die zahlreiche Teilnahme geworben. Am Ausgang beschwerte sich ein Gemeindemitglied, daß Politik doch nichts in der Kirche zu suchen habe. Das ist richtig. Aber hier und heute geht es nicht mehr um Politik! Es geht um die Wahrung des Ansehens unserer Heimatstadt, es geht um die Verteidigung grundlegender verfassungsrechtlicher Prinzipien, es geht darum, Gesicht zu zeigen, wenn das Andenken von deportierten und ermordeten unbescholtenen Plauener Einwohnern in den Dreck gezogen wird. Und das ist keine Politik, sondern Bürgerpflicht.
Lange habe ich mir überlegt, was ich auf dieser Veranstaltung sagen werde. Es gibt viel, das mir auf dem Herzen liegt.Als ich aber bei meiner Vorbereitung auf die Internetseite des sogenannten „3. Weges“ stieß und deren Ankündigung für ihren heutigen Marsch las, dazu noch den entsprechenden aktuellen Aufruf zur Kenntnis nahm, da war ich dankbar für diese Zeilen.

Dankbar warum? Weil sie in solch einem Maße selbstentlarfend sind, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können.
Schauen wir uns also den Originaltext, Stand heute 15 Uhr an:

Die Überschrift lautet: „Lichtermarsch in Plauen“ und ist mit dem Bild eines Fackelzuges hinterlegt.
Das Wort Lichtermarsch gibt es übrigens im Deutschen Duden gar nicht, weil Lichter eben nicht marschieren, sondern leuchten. Und marschieren ist eine Fortbewegungsart, die meistens im Gleichschritt und in militärischen Zusammenhängen geschieht. Beides hat noch nie zu Problemlösungen beigetragen. Kommen wir also zum eigentlichen Text.

Der erste Satz lautet:
Wir bringen ein Licht in das Dunkel dieser Zeit bestehend aus sozialer Verelendung, Kriminalität und Überfremdung.
Nach dem Wort bestehend muß nach der deutschen Grammatik eigentlich ein Komma folgen, aber die deutsche Grammatik ist wahrscheinlich nicht der Maßstab, an dem der 3. Weg seine Texte mißt.
Aber zum Inhalt: Ja, in dieser Zeit nehme ich soziale Verelendung war. Wobei eine Zeit eben nicht aus sozialer Verelendung bestehen kann. Eine Zeit kann nur aus verschiedenen Zeitabschnitten bestehen.
Eine Zeit kann gekennzeichnet sein – aber dieser inhaltliche Zusammenhang ist wahrscheinlich für die Redakteure des 3. Weges schon zu kompliziert.
Ich sehe tatsächlich in vielen Ländern der Erde soziale Verelendung, die übrigens eine der wesentlichen Fluchtursachen ist, die es zu bekämpfen gilt.
In unserem Heimatland kann ich zwar Gerechtigkeitslücken, Bildungsprobleme und Mängel an sozialer Teilhabe erkennen, aber im Vergleich zu anderen Ländern wahrlich keine soziale Verelendung.
In dieser dunkeln Zeit gibt es also auch Kriminalität, heißt es da weiter. Das ist jetzt weiter keine wesentliche Information, weil, die gab es leider schon immer und ist kein neues Phänomen. Aber jetzt kommt in diesen ersten Satz Schwung. Das Wort „Überfremdung“ kommt ins Spiel.
Ein Wort, das 1993 zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Mit dem Unwort des Jahres werden seit 1991 sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation bezeichnet, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen. Die „Gesellschaft der deutschen Sprache stützt sich bei der Auswahl auf Zuschriften von (deutschen) Bürgerinnen und Bürgern.
„Ausschlaggebend für die Kritik an diesem auf den ersten Blick harmlos erscheinenden Wort war die Feststellung, dass ‚Überfremdung‘ nach wie vor im Sinne einer rassistischen Uminterpretation verwendet wird […] ‚Überfremdung‘ wurde zur Stammtischparole, die auch die undifferenzierteste Fremdenfeindlichkeit ‚argumentativ‘ absichern soll.“
Wir konstatieren also im zweiten Satz einen grammatischen und einen inhaltlichen Fehler, zwei sehr allgemeine Begriffe, und ein Unwort des Jahres.

Kommen wir zum zweiten Satz:
Die etablierten Parteien haben unser Land völlig runtergewirtschaftet und mit Millionen Fremden überflutet.
Auch hier muß erst einmal der deutsche Duden zu seinem Recht kommen, denn das Wort „runtergewirtschaftet“ wird erstens nicht zusammen, sondern getrennt geschrieben und heißt in der deutschen Schriftsprache nicht runter – sondern herunter.
Der Index für die Wirtschaft eines Landes ist das Bruttosozialprodukt, der Geschäftsklimaindex bzw. der DAX. Alles steigt seit Jahren kontinuierlich und ist eben gerade nicht Ausdruck der wirklichen Probleme unseres Landes.
Herunter gewirtschaftet ist dieses Land also wahrlich nicht.
Aber vielleicht mit Millionen Fremden überflutet? Und wenn jemand auf diese gefühlte Wahrheit mit einer faktengestützten Wahrheit antworten will und auf die eigenartige Wortwahl aufmerksam macht, dann kommt oft der Satz: „das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“
Und ich kann nur sagen: Nein!
Denn solche Sätze bedienen sich der Technik des „Framing“. Framing bedeutet, daß unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen. Hier also ein schönes Beispiel mit dem aus dem Reich der Naturphänomene entlehnten Verb „überfluten“. Eine Flut läßt sich nicht aufhalten. Gegen eine Flut bin ich wehrlos. Einer Flut bin ich ausgeliefert.

Wenn ich aber sage, daß uns Millionen Fremde (das sind übrigens alles Menschen) vor eine neue Situation stellen, die von Problemen, Herausforderungen und Chancen gekennzeichnet ist, dann fühlt sich das doch schon ganz anders an. Und das wird man ja wohl auch noch mal sagen dürfen.
Achten wir also auf unsere Worte. Worte wirken!

Nächster Satz:
Schluss mit der gesellschaftlichen Resignation!
Immerhin: Der erste Satz in korrektem Deutsch. Und einer von diesen Sätzen, die irgendwie jeder unterschreiben kann. Doch jetzt kommt sozusagen die Katze aus dem Sack: Wir lesen
Wir gehen auf die Straße und führen die Flamme, die dieses Volk eines Tages im Feuersturm erwachen lässt.
Ja, da stockte mir der Atem. Ist das nun nur eine verbale Entgleisung oder will der 3. Weg hier tatsächlich sein wahres Gesicht zeigen? Wissen Sie, was ein Feuersturm ist? Das unfaßbare Grauen, das zehntausenden Menschen in Coventry, Bristol, Manchester, London, Hamburg, Köln, Mainz und Dresden den Tod gebracht hat. Feuerstürme gelten auch im naturwissenschaftlichen Zusammenhang als nicht aktiv löschbar. Sie enden erst, wenn das zur Verfügung stehende brennbare Material aufgebraucht ist. Das ist ein Feuersturm!!

Im Klartext: der 3. Weg schreibt sich auf die Fahnen, das deutsche Volk mit einem zur Verfügung stehenden Brennmaterial zu vergleichen, das aufgebraucht werden soll. Und da frage ich mich, ob denn niemand vom Verfassungsschutz diese Zeilen gelesen hat. Denn das ist wirklich nicht mehr lustig.

Und wenn genau dieser sogenannte 3. Weg die Bahnhofstraße hinab marschiert und an der Bahnhofstraße 16 vorbeikommt, dann ist dort ein Stolperstein, der an Heinz Selowski erinnert, der vor 80 Jahren von den Nazis aus seinem Damenmodengeschäft entführt, und in das KZ nach Buchenwald verschleppt wurde. Einen Monat später war er tot.

Und jetzt zitiere ich Ihnen aus dem sächsischen Versammlungsrecht, § 15 Absatz 2:
dort heißt es:
Zitat:
(2) Eine Versammlung oder ein Aufzug kann insbesondere verboten oder von bestimmten Beschränkungen abhängig gemacht werden, wenn
1.
die Versammlung oder der Aufzug an einem Ort von historisch herausragender Bedeutung stattfindet, der an
a)
Menschen, die unter der nationalsozialistischen oder der kommunistischen Gewaltherrschaft Opfer menschenunwürdiger Behandlung waren,
2.
nach den zur Zeit des Erlasses der Verfügung konkret feststellbaren Umständen zu befürchten ist, dass durch die Versammlung oder den Aufzug die Würde von Personen im Sinne der Nummer 1 beeinträchtigt wird. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Versammlung oder der Aufzug
a)
die Gewaltherrschaft, das durch sie begangene Unrecht oder die Verantwortung des nationalsozialistischen Regimes für den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen leugnet, verharmlost oder gegen die Verantwortung anderer aufrechnet,
und gegen die Aussöhnung oder Verständigung zwischen den Völkern auftritt.
Zitat Ende

Und da muß die Frage gestattet sein, ob es denn keinen politisch Verantwortlichen gibt, der mit einem einigermaßen talentierten Anwalt und mit Hilfe des sächsischen Versammlungsrechtes diesen Aufmarsch verhindern konnte??

Ein Aufmarsch, der in seinem Begleittext uns, die wir hier demonstrieren, als von „scheinbar geistiger Idiotie geplagten Damen und Herren“ bezeichnet. Ganz abgesehen von dieser herabwürdigenden Diffamierung, z.B. der anwesenden Kommunalpolitiker, kommt eindrücklich die Unfähigkeit des sogenannten 3. Weges zum Ausdruck, mit unserer deutschen Muttersprache umzugehen. Ganz offensichtlich kennen die Verfasser dieses Aufrufs den Unterschied zwischen den Worten „scheinbar“ und „anscheinend“ nicht. Denn mit „scheinbar“ bezeichnet man laut Duden Eigenschaften, die nur dem (der Wirklichkeit nicht entsprechenden) Scheine nach so sind. „Anscheinend“ dagegen kann man verwenden, wenn man eine Eigenschaft oder einen Vorgang als allem Anschein nach gültig und zutreffend charakterisieren möchte. So haben die Verfasser des Aufrufs uns also, ohne es zu wollen, genau diese uns eben nur scheinbar plagende Idiotie abgesprochen. Danke!

So amüsant und einfach es auch ist, diesen Deutschtümlern ihre Unkenntnis der eigenen Muttersprache nachzuweisen, so bitter und ernst wird es, wenn wir folgenden Satz, der auf ihrer Internetseite uns zugedacht ist, zur Kenntnis nehmen:
Es wird nämlich darauf hingewiesen, daß ausreichend Fackeln zur Verfügung stehen werden, damit – Zitat!!! „jeder die Möglichkeit bekommt, die wenigen gutmenschlichen Betroffenheitsvisagen am Straßenrand gut auszuleuchten.“
Diese diffuse Drohung, verbunden mit einer neuerlichen Beleidigung der Gegendemonstranten, bedarf wohl keines Kommentars.

Und damit wirklich jedem klar wird, wessen Geistes Kinder hier in unserem Plauen mit ihren Fackeln durch die Innenstadt laufen, stehen wir als ganz unterschiedliche Repräsentanten Plauens hier und zeigen Gesicht für ein helles Plauen.
Und deshalb interpretieren wir den letzten Satz dieses seltsamen Aufrufs einfach im Sinne der Mehrheit der Plauener um, in dem eben nicht der sogenannte „3. Weg“, sondern wir ausrufen:
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass auch dem Letzten in dieser Gott sei Dank! bunten Republik ein Licht aufgeht.

Protokoll der Veranstaltung „Mittagessen der Begegnung – Speed Dating mit Politikern“ am 23. 09.2018

Ort: Luthersaal der Ev. Luthergemeide, Dobenau Straße 12, 08523 Plauen

Leitung: Pf. Hans-Jörg Rummel

Protokoll: Ulrike Liebscher

Gesprächspartner: Landrat Rolf Keil, Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, Yvonn Magwas (MdB CDU), Monika Lazar (MdB Bündnis 90/Die Grünen), Sören Voigt (MdL CDU), Frank Heidan (MdL CDU), Juliane Pfeil Zabel (MdL SPD), Frank Zabel (Stadtrat Plauen SPD), Christian Hermann (Stadtrat Plauen SPD), Petra Rank (Stadträtin Plauen, Die Linke), Klaus Gerber (Stadtrat Plauen Bündnis 90/Die Grünen),  Hans-Joachim Wunderlich (IHK Chemnitz),  Pf. Andreas Gräßer (Ev.-Luth. Kirchgemeinde/Plauen) 

Protokoll

Viele Bürger und Bürgerinnen aus Plauen und dem Vogtland nutzen die Gelegenheit, um mit den örtlichen und regionalen Vertretern aus Politik und Wirtschaft in entspannter Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. Die Gesprächsthemen wurden von den Bürgerinnen und Bürgern bestimmt, wobei das Konzept „Speed Dating“ für möglichst viele unterschiedliche Gesprächspartner sorgte .

Bessere Kooperation zwischen Bund, Land und Bürger:

Es braucht mehr Transparenz des politischen Handelns: die Bürger und Bürgerinnen wollen verstehen, wie politische Entscheidungen zustande kommen. Umgekehrt sollen die Politiker verstehen lernen, was die Bürger bewegt. Viele sehen ein isoliertes Agieren der politischen Akteure von Bund und Land. Das föderale Prinzip der Bundesrepublik erscheint als kompliziertes Konstrukt, ein undurchschaubarer Wirrwarr an Zuständigkeiten.

Wie kann eine direktere Mitbestimmung der Bevölkerung organisiert werden? Welche Strukturen für eine basisdemokratische Mitverantwortung (Bürgerentscheide) gibt es?

Zuwanderung, Integration

Die rechtlichen Grundlagen der Asyl- und Zuwanderungspolitik ist für viele Bürger und Bürgerinnen unklar. Auch fehlt ein Konzept, wie Zuwanderung geregelt und Integration organisiert werden kann.  Viele Bürger haben das Gefühl, dass die Integration nicht „richtig“ angegangen wird: es werden die „Falschen“ abgeschoben, d.h. diejenigen, die schon integriert sind, die eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz haben. Es fehlt ein „Fachkräfte-Einwanderungsgesetz“. Das im Grundgesetz verankerte Asylrecht bietet aufgrund seiner allgemeinen Formulierung keine praktikable Handhabe für ein differenziertes Einwanderungsrecht.  Neben dem Schutz vor Krieg und Verfolgung sollte auch die Möglichkeit der Integration in den Arbeitsprozess eine Rolle spielen und resultierend daraus, die Berufsorientierung der Zugewanderten unterstützt und gestärkt werden.

Mobilität und Verkehr

Das Vogtland ist vom öffentlichen Verkehr weitgehend abgehängt. Die Bevölkerung wünscht, dass mehr öffentliches Geld für die öffentliche Mobilität im ländlichen Raum bereitgestellt wird. Der ländliche Raum wird unter anderem auch aufgrund der mangelnden Verkehrsverbindungen als Lebensraum immer unattraktiver.

Gemeindegebietsreform

Gemeindegebietsreformen werden von Bewohnern der betroffenen Orte selten positiv gesehen. Die Rationalisierung der Verwaltung bedeutet in der Regel längere Wege zu den Behörden.  Schulen werden zusammengelegt, und d.h. nicht selten Schließungen der Schulen in den entlegeneren Gemeinden. Die Polizei ist nicht mehr vor Ort präsent.

Gebietsreformen sind in Sachsen eine Folge von Abwanderung und des demographischen Wandels. Allerdings verstärkt die Gebietsreform den Trend der Abwanderung. Der ländliche Raum Vogtland wird zum strukturschwachen Raum.  Darüber hinaus bedeutet der durch die Reform bedingte Strukturwandel auch den Verlust des gewachsenen Kulturraumes.  Die Menschen wünschen sich ein Entwicklungskonzept auch für die ländlichen Gebiete und die Möglichkeit der Mitbestimmung bei wichtigen Entscheidungen, die ihren Wohnort betreffen.  Dazu braucht es rechtzeitige Information und Transparenz von Seiten der Verwaltungen.

Kinder, Kinderbetreuung, Schulen

Die steigende Kinderarmut ist besorgniserregend. Wir kann der Staat gegensteuern? Möglichkeiten wären die Erhöhung des Harz IV Satzes für Kinder von 3€ auf 7€, also gleiche Höhe wie der Satz für Erwachsene, oder die Einführung einer Kindergrundsicherung.

Es gibt zu wenig Kitaplätze im Vogtland und die Betreuung ist unzureichend, da es zu wenig Erzieher für zu viele Kinder gibt. Pädagogische Konzepte können kaum durchgeführt werden.

Der Lehrermangel ist eine Folge von Fehlern in der Vergangenheit. So hat man versäumt, den Bedarf an Lehrern für die Zukunft rechtzeitig zu ermitteln. Die verheerenden Folgen, die sich jetzt zeigen, sind Ausfall von Schulstunden und damit einhergehend eine lückenhafte Vermittlung des Unterrichtsstoffes (Bildungsnotstand!)

Sind die Schulen Sachsens wirklich die besten in der Bundesrepublik? Welche Vorteile hat das Konzept „Gemeinsames längeres Lernen“ der Gesamtschulen gegenüber dem herkömmlichen dreistufigen Schulsystem?  Ist eine höhere Schulbildung auch für „Spätentwickler“ noch erreichbar?

Die Schulen stehen vor großen Herausforderungen: Drogenmissbrauch schon bei Jugendlichen, Integration der Flüchtlingskinder und nicht zuletzt die pädagogische Vermittlung des Umgangs mit den digitalen Medien.

Angesichts dieser Probleme sind viele Eltern und Großeltern alarmiert über die fehlenden Lehrer. Sind Quereinsteiger nur eine, wenn auch notwendige „Notlösung“?  Viele sehen die Einstellung von Nicht-Pädagogen  als eine Ungerechtigkeit gegenüber den Lehrern und lehrerinnen, die eine lange Ausbildung durchlaufen haben. Auf der anderen Seite haben auch die Quereinsteiger eine Ausbildung. Warum sollte man ihre Qualifikationen nicht für die Schule nutzen?

Warum aber passiert es immer wieder, dass junge Lehrer und Lehrerinnen nach ihrem Studium keine Arbeitsstelle im Vogtland finden?  Wieso gibt es in der Bundesrepublik so viele Unterschiede im Bildungs- und Schulsystem, wie zum Beispiel die Verbeamtung der Lehrer in einigen Bundesländern, die es in Sachsen nicht gibt. Dieser als Ungerechtigkeit empfundener Nachteil führt dazu, dass viele der hier dringend gebrauchten Lehrer in andere Bundesländer gehen. Und wer sich einmal woanders eine Existenz aufgebaut hat, bleibt auch dort.

Für viele ist es nicht nachvollziehbar, dass Schule und Erziehung Aufgabe der Länder sein kann, wenn dadurch so viele Diskrepanzen entstehen.

Extremismus

Wie begegnet man Extremismus?  Warum haben Populisten soviel Zulauf?

Die sog. „Altparteien“ sind dem Empfinden vieler Bürger und Bürgerinnen nach „systemkonform“ und dadurch „alle gleich“. Die Fragen und Sorgen der Bürger und Bürgerinnen scheinen „da oben“, d.h. bei den politischen Verantwortlichen nicht mehr anzukommen.

Gegenüber der Komplexität der Probleme einer globalisierten Welt scheint die Sehnsucht nach einfachen Antworten zu wachsen.  Wut und Enttäuschung steigern die Attraktivität neuer Parteien „die endlich die Probleme benennen und das Versagen der verantwortlichen Politiker aufzeigen“ (Protestwahl!)

Vielleicht liegt es auch an geringer politischer Bildung auf Seiten der Bevölkerung und zu wenig Transparenz und „Bürgernähe“ auf Seiten der Politiker?

Unterschiede unter den „etablierten“ Parteien sind sehr wohl vorhanden. Man sollte sie durch klare Standpunkte und Abgrenzung untereinander deutlich machen. Allerdings: die Tatsache, dass die demokratischen Parteien in ihrer Ablehnung von politischen Strömungen außerhalb von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit „gleich“ oder zumindest sehr ähnlich sind, heißt nicht, dass sie ununterscheidbar sind, auch wenn das gerne von extremistischen Gruppierungen behauptet wird.

Es braucht mehr geförderte Lernprogramme für Demokratie in den Schulen, aber auch in der Erwachsenenbildung. Es fehlt an „politischen Wissen“, z.B. auch darüber, was Demokratie in all ihrer Facetten bedeutet.

Ein wesentliches Merkmal der Demokratie ist, dass auch eine Partei in Regierungsverantwortung Mehrheiten für ihre politische Ziele suchen muss, was vielen nicht so recht bewusst zu sein scheint. Auch die Bedeutung der Opposition sollte besser vermittelt werden: Parteien in der Opposition vertreten die Stimmen von Minderheiten, bieten Alternativen und sind ein notwendiges Korrektiv, auch wenn unmittelbares politisches Handeln nicht immer möglich erscheint.

Auch die Medien haben einen politischen Bildungsauftrag und sind durch ihre Berichte, Recherchen und Analysen im besten Fall eine unabhängige Vermittlungsinstanz zwischen Bürger und Politiker.

Stadt Plauen

Eine belebte Innenstadt ist ein Gradmesser für die Lebensqualität einer Stadt. Neben historischen Gebäuden prägen Theater, Museen, Cafés, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten das Stadtbild. In Plauen konzentriert sich das Stadtleben auf das Zentrum.  Andere Stadtgebiete, darunter der obere Teil der vormals belebten Bahnhofstraße scheinen es schwer zu haben für Passanten attraktiv zu bleiben. Das zeigt sich vor allem darin, dass sich viele Läden sich in diesen Gebieten nicht halten können. Inwiefern bedingen sich hier Kaufverhalten und Angebot der Händler gegenseitig? Und welche Möglichkeiten gibt es, um das städtische Angebot auch unter dem Gesichtspunkt „Tourismus“ zu verbessern? Wie können sich die Einwohner an Entscheidungen, die die Entwicklung ihrer Stadt betreffen, beteiligen?

Wirtschaft:

Die Wirtschaft im Vogtland ist geprägt von einigen mittelständigen und vielen kleinen meist handwerklichen Betrieben. Nicht tarifliche Gehälter sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Einführung des Mindestlohns hat eine Verschiebung der Löhne mit sich gebracht, denn auch die Gehälter der höher bezahlten Anstellungen sind mit dem Mindestlohn gestiegen. Viele Kleinunternehmen können ihren eigenen Angaben zufolge mit dieser Erhöhung der Löhne nicht mithalten. Oftmals auch deshalb, weil sie ihren Kunden keine Preiserhöhung zumuten wollen.

Eine Folge der nicht tariflichen Bezahlung ist, dass die Lebenshaltungskosten im Vogtland vergleichsweise niedrig sind. Allerdings hat die geringere Kaufkraft auch Einfluss auf den Lebensstandard und Lebensqualität in der Region.

Ein Problem der Region ist immer noch die Abwanderungen gut ausgebildeter Menschen. Sie gehen dahin, wo sie besser verdienen und wo ihnen auch mehr Lebensqualität geboten wird. Wie kann es gelingen, das Niedriglohn-Image des Vogtlands zu überwinden? Gut bezahlte Jobs bringen mehr Menschen in die Region und verbessern in Folge auch das Angebot an Waren und Serviceleistungen.

Wie können Start-ups, die Gründung neuer Unternehmen gefördert werden? Neugründungen entstehen in der Regel im Umfeld von Hochschulen und Universitäten. Die Berufsakademie in Plauen ist ein Anfang, aber noch zu klein, um die genannte Wirkung zu erzielen.

Ulrike Liebscher

Sprecher Runder Tisch Spendenkonto:
Pfr. Hans-Jörg Rummel Ev.-Luth. St.-Johannis-Kirchgemeinde
Ev.-Luth. St.-Johannis-Kirchgemeinde Plauen IBAN: DE56 8705 8000 3000 0062 72
Untere Endestr. 4, 08523 Plauen Sparkasse Vogtland / BIC WELADED1PLX
Telefon: 03741 226957 Verwendungszweck: Runder Tisch
E-Mail: hans_joerg.rummel@evlks.de

 

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